liebe planner,
in der weihnachtsansprache von karen lese ich, dass im workshop für junioren bei der neuen digitalen ein wichtiges thema angesprochen wurde, das glaube ich nicht nur die junioren was angeht: die rolle vom planning im digitalen zeitalter. denn auch gestandene “klassische” planner wollen dem gar-nicht-mehr-so-neuen medium die hand reichen, oder?
es stimmt, dass wir von “medien unabhängigen” ideen und insights sprechen, doch spätestens bei der umsetzung werden wir unsicher.
die frage an alle, und vor allem an planner, die in new media agenturen arbeiten oder erfahrung mit online projekten haben: was macht einen “digitalen” planner aus? was muss er können und wissen, tun und lassen?
ebenfalls herzlich an alle: feliz navidad!



Ich arbeit selbst in einer digitalen Agentur im Bereich Projektmanagement/Planning und hatte das Vergnügen, beim Junioren Workshop teilzunehmen. Dort stieß Dirk Reinhardt von Leo Burnett das Thema Digital Planning an und sprach mir aus der Seele, als er in seinen 10 Thesen u.a. folgende Digital Planning Grundlagen an die Wand warf:
Sei ein digitaler Nerd und verstehe die digitalen Prinzipien!
Der Wettbewerb ist online u.U. ein ganz anderer als in der Offline-Welt und ohne Community-Grundwissen im Blut wird es ein klassischer Planner in den digitalen Sphären der Zukunft schwer haben. Die Themen Technologie, Trends und demokratische Markenführung sind wesentlicher Bestandteil des Digital Planning. Schafft man es aber, die verschiednen Gewerke Konzept, Design und Techik im Sinne einer gemeinsamen Idee zu vereinen, kann gerade im Digital Planning eine wahnsinnige Dynamik entstehen, die durch den interaktiven Input von Usern nochmals verstärkt wird.
Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen und hoffe, dass auch die APGD das Thema Digital Planning zukünftig verstärkt aufgreift.
Ich bin begeistert, das das Thema hier endlich mal auftaucht. Auf der anderen Seite hab ich den Eindruck, auch klassische Planner können sich dem Medium wohl kaum entziehen. Da es Teil der “normalen” Medienlandschaft geworden ist, sollte jeder Planner, der sich mit Mediennutzung auseinander setzt, auch die medialen Prinzipien von Communities etc kennen. Sei nicht nur ein digitaler Nerd – sei ein Medien-Nerd. Sei nicht nur ein digitaler Planner – sei ein guter allround-Planner. Kreative Junioren lernen heute ja auch alles nur erdenkliche zum Thema online.
Hey Inga,
ich bin gerade voll im Flow;-) – deshalb auch noch ein Kommentar zu diesem Thema, das mir wohl ähnlich wie Nina, sehr am Herzen liegt.
Kurz vor ab: bin keiner der “planner, die in new media agenturen arbeiten,” aber mich beschäftigt das Thema schon seit längerem. Genauer, seit ich 2006 beschlossen hatte, mich nach dem Studium hauptsächlich in Londoner Agenturen zu bewerben. Nach kurzen Gesprächen mit englischen Plannern, wurde ich dringend aufgefordert, mich ich die englisch-sprachige “plannersphere” einzulesen und einzumischen. Und meines Erachtens nach ist es genau das, was ein Planner spätestens heute “tun” muss:
Wer sich nicht selbst aktiv im Web beteiligt, – und das sind zunächst nur ein paar ganz simple MUSTs – der versteht nicht mehr, wie sich ein Großteil der Leute “draußen” heute informiert.
Wenn Du also fragst, was man “können und wissen” und “tun” muss, so würde ich sagen:
- einen Feed-Reader anlegen, bzw. sich schlau machen, was das eigentlich ist
- damit einige Planner-Blogs – es gibt im übrigen auch gute deutsch-sprachige – abonnieren (Eine Übersicht gibt es hier: http://www.plannersphere.com)
- das typisch deutsche Gartenzaun-Denken (“das gehört mir”) bei Seite legen, und den Dialog suchen – auch mit Plannern von der Konkurrenz (Entschuldige bitte, falls ich den einen oder anderen Schritt aufzähle, über den Du schon, wie mir scheint, hinaus bist;-)
- herausfinden, was eigentlich Dopplr, Slideshare, TED Conference oder auch wordle.net (es gibt Tausende mehr) sind, und wozu ich das nutzen kann
- feststellen, dass ich für jedes Projekt, jeden Pitch, oder jeden bestehenden Kunden einen eigenen Feed-Reader anlegen kann, der mich über die aktuelle Online-Berichterstattung (professionell oder laienhaft) informiert – genau so, wie sich vielleicht auch meine Zielgruppe damit aus einander setzt
Ich entschuldige mich nochmals, falls ich hier Dinge benenne, die dem einen oder anderen Leser bereits geläufig sind. Aber nur über den Austausch wissen wir, wo wir stehen. Oder sehe ich das falsch?
Ich wünsche Euch erholsame Feiertage, und speziell diesem Thema noch viel Aufmerksamkeit seitens der apgd.
Viele Grüße, stephan
Stephan – genau! deinen Blog kenne ich glaub ich noch nicht (guck ich aber gleich mal….), aber ich finde, es gibt irrsinnig viel guten Input (Mathias postet ja u.a. auch fleissig von slideshare….) und ich überlege grad selber, ob man selbst noch etwas dazu addiert durch einen eigenen Blog. Aber ich denke, es ist fast schon ein “must”, damit ein echter Austausch zustande kommt. Alles am Ende viel besserer, schnellerer Input als 4 frontale Vorträge auf der open source finde ich. Hab über die Planning Conference in Brazilien im Dezember gelesen – hörte sich unglaublich schnell, digital und interessant an…. LG
Nina
Christoph, Nina, man hört viel Leidensdruck in euren Worten. Ich habe auch schon Meetings erlebt, in denen sich Klassik und New Media nicht verstanden haben. Die Klassik wollte große Bilder, die New Media – Funktionalitäten. Die Klassik rief: wo ist unsere Idee? Die New Media: wir machen doch keine Werbung, etc. So ging man geknickt wieder auseinander.
Tatsächlich kann man das Web nicht wirklich in einer Reihe mit TV, Radio und Zeitung stellen. Es ist kein lineares Sprachrohr für meine Botschaft sonder ein mehr-dimensionaler Raum mit Eigendynamik. Es ist ein Paralleluniversum, indem wir nur mit unserem geistigen Hab und Gut unterwegs sind. Wir können uns hinter den Masken verstecken und sind doch für die ganze Welt sichtbar. Im Netz können wir sein was wir wollen und sind doch ehrlicher denn je. Internet ist kreativ und demokratisch, unaufhaltsam und schonungslos. Wir wissen alles, können alles, haben alles und sehen das Dorf in dem wir geboren sind zum ersten Mal aus dem Weltall.
Und was ist mit “we sell or else” und “truth well told”? Produkte und Marken müssen doch in dieser Welt gekauft und genutzt werden.
Im Netz sind Produkte und Marken auch gewissermassen “nackt”, sie sind ihrer PS und der Saugkraft entzogen. Mit ihrem geistigen Reichtum müssen sie nicht nur 60 sec. füllen sondern die ganze Zeit, 24/7, 365 immer life und aktuell. Sie müssen nicht nur Botschaften senden, sondern auch empfangen, interagieren, Beziehungen eingehen und kommunizieren – im wahrsten Sinne des Wortes. Soll sich die Kommunikationsstrategie (oder zumindest die Taktik) für Web von der für die Klassik deswegen unterscheiden, weil sich die Art der Kommunikation unterscheidet. Und wenn ja, wie?
Inga, eine sehr philosophische Sichtweise in der viel Wahrheit steckt. Aber die von Dir angedeuteten Diskrepanz zwischen Klassik und New-Media Vertretern halte ich nicht für unüberwindbar und das Überleben der Idee halte ich im Sinne integrierter Kampagnen für sehr bedeutend. Wenn sich das klassische Planning zudem so entwickelt, wie es Stephan geschrieben hat, dann sind meiner Ansicht nach auch bereits die Weichen gestellt und die “Welten” verschmelzen bereits.
Aber heißt es nicht auch, die Idee muss in wenigen Worten auf einem weißen Blatt Papier oder einem Bierdeckel funktionieren? Wenn dem so ist, dann ist es doch nur eine Frage der kanalspezifischen Ausarbeitung, egal ob digital oder offline. Hier kommen dann die Stärken der jeweiligen Planning-Gattung zum tragen, weiß doch der spezialisierte Planner genau, wie er seine ZG in seinem Medium am besten erreicht.
Dass in der digitalen Welt eine gewisse Nackheit besteht, sehe ich auch so. Umso wichtiger schätze ich eine selbstbewusste Haltung einer Marke, gerade mit heruntergelassenen Hosen ein. Stell Dich der Diskussion, geredet wird sowieso. Verknüpfe deine Botschaften mit interaktiven Erlebnissen um Ihnen Nachdruck zu verleihen. Natürlich muss die Kommunikationsstrategie, die Taktik, eine andere sein, aber bitte mit der gleichen Botschaft. Es lebe die Idee!